Vom Ziegenhirten
und Hauswart zum HSG-Absolventen: Eine Erfolgsgeschichte der Schweizer
Integration
Ein Weg, der Mut, Fleiss und Glauben an die Kraft der
Bildung verlangt
Vor 20 Jahren kam er aus den Bergen des Südjemens in die
Schweiz – ohne Wort Schweizerdeutsch, Deutsch oder Französisch, ohne Netzwerk,
ohne Sicherheit. Heute ist er Absolvent der renommierten Universität St.Gallen
(HSG) mit einem Bachelor in Betriebswirtschaftslehre. Seine Geschichte ist kein
Märchen – sie ist Realität. Und sie zeigt, was möglich ist, wenn eine
Gesellschaft Integration nicht nur fordert, sondern aktiv fördert.
Von den jemenitischen Bergen in die Vorlesungssäle der
HSG
Zwischen seinem 6. und 13. Lebensjahr war er Ziegenhirte –
verantwortlich für über 200 Tiere. Morgens sass er in einem überfüllten
Klassenzimmer und lernte Arabisch schreiben und lesen. Nachmittags erledigte er
seine Hausaufgaben im Freien, begleitet vom Gesang der Vögel. «Diese Jahre
lehrten mich früh Verantwortung, Respekt vor harter Arbeit und den Wert von
Bildung – Werte, die mich bis heute prägen.“
Neuanfang in der Schweiz: Chancen statt Hindernisse
Der Anfang in der Schweiz war schwer. Doch er fand hier
etwas, das in vielen Ländern unvorstellbar ist: Strukturen, die Integration
nicht nur fordert, sondern fördert. Er absolvierte eine Lehre als Fachmann
Betriebsunterhalt – 13 Jahre lang reinigte er Schulen, wartete technische
Anlagen, pflegte Räume. „Diese Arbeit finanzierte meinen Lebensunterhalt – und
gab mir die Kraft, die Erwachsenenmatur an der KME nachzuholen.“ Ein Weg, der
lehrt: Bildung ist kein Privileg – sondern ein Recht, das man sich erkämpfen
kann.
Vor vier Jahren zog es ihn an die Universität St. Gallen.
Mit zwei Teilzeitjobs über die Runden kommend, tauchte er ein in ein Studium,
das seine Perspektive auf die Welt veränderte – von Strategischem Management
bis hin zu Soziologie und Geschichte. „Die Schweiz – mit ihrer offenen
Bildungslandschaft, ihrem Respekt vor individuellem Einsatz und ihrer
Bereitschaft, Menschen aus allen Hintergründen zu fördern – hat mir die Tür
geöffnet. Nicht aus Mitleid, sondern aus Überzeugung: dass jeder, der bereit ist,
zu lernen und zu arbeiten, eine Chance verdient.“
Dankbarkeit und eine klare Botschaft
„Ich bin zutiefst dankbar für diese Schweiz – für ihre
Strukturen, ihre Offenheit, ihre Toleranz. Sie hat mir nicht nur eine Heimat
gegeben, sondern auch die Möglichkeit, mich zu entfalten.“
Seine Geschichte ist kein Einzelfall. Sie ist ein Beweis
dafür, dass Diversität nicht nur bereichert, sondern auch stärkt. Dass
Integration gelingt, wenn man Menschen Raum gibt, ihre Potenziale zu entfalten
– unabhängig von Herkunft, Sprache oder sozialem Hintergrund.